Es gibt Momente, in denen jemand den Raum betritt und ohne große Worte sofort Aufmerksamkeit auf sich zieht. Man weiß nicht genau warum, doch etwas an dieser Person wirkt faszinierend, anziehend, irgendwie besonders. Wissenschaftler haben sich diesem Phänomen genähert und versucht herauszufinden, was Menschen „cool“ erscheinen lässt. Das Ergebnis ist erstaunlich nüchtern und gleichzeitig hochspannend, denn es zeigt, dass Coolness kein Zufall ist, sondern sich auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale zurückführen lässt, Eigenschaften, die in allen Kulturen ähnlich wahrgenommen werden.
Cool zu sein bedeutet also nicht, die neuesten Turnschuhe zu tragen oder sich besonders lässig zu bewegen. Vielmehr steckt dahinter eine Haltung zum Leben. Wer es schafft, sich nicht blind an Regeln zu klammern, sondern manchmal mutig gegen den Strom schwimmt, der wird als autonom wahrgenommen. Autonomie hat eine stille Kraft. Sie zeigt, dass man eigene Entscheidungen trifft, auch wenn sie nicht immer in die Norm passen. Es ist der Kollege, der im Meeting eine unpopuläre, aber gut durchdachte Idee einbringt, oder die Freundin, die eine Reise plant, von der andere nicht einmal gewusst hätten, dass man sie machen kann.
Dazu kommt eine gewisse Offenheit. Cool sind oft jene, die das Bestehende hinterfragen, die nicht bei dem bleiben, was ihnen vorgesetzt wird. Man könnte sagen, dass sie das Leben wie ein Puzzle sehen, bei dem es noch unentdeckte Teile gibt. Diese Menschen denken neu, probieren aus, wagen Perspektivenwechsel. Im Alltag begegnet uns das, wenn jemand nicht sofort „das haben wir immer schon so gemacht“ sagt, sondern fragt: „Warum eigentlich nicht anders?“
Coolness zeigt sich auch in Abenteuerlust. Es sind nicht unbedingt waghalsige Stunts, sondern vielmehr die Bereitschaft, die Komfortzone zu verlassen. Jemand, der ein neues Gericht ausprobiert, obwohl er nicht einmal die Hälfte der Zutaten kennt, oder der sich auf ein Gespräch mit völlig fremden Menschen einlässt, zeigt diese Art von Neugier. Abenteuerlust ist ansteckend, weil sie anderen Türen öffnet, die sie selbst vielleicht nie geöffnet hätten.
Ein weiteres Stück dieses Puzzles ist Hedonismus. Das klingt zunächst nach Egoismus, meint aber etwas anderes. Es ist nämlich die Fähigkeit, den Moment zu genießen. Coole Menschen haben oft dieses Leuchten in den Augen, wenn sie etwas tun, das ihnen Freude bereitet. Sie wissen, wie man das Hier und Jetzt auskostet. Es ist der Freund, der spontan einen Spaziergang im Regen vorschlägt, weil er findet, dass man genau das jetzt braucht, oder die Bekannte, die das Eis isst, ohne Kalorien zu zählen, weil Genuss ihr in diesem spontanen Augenblick wichtiger ist als der Verzicht.
Doch Coolness bleibt selten im Verborgenen. Sie braucht Extraversion, zumindest in einer dosierten Form. Wer cool wirkt, teilt sein Leben ein Stück weit mit anderen, zeigt, dass er Freude daran hat, gesehen zu werden. Es geht nicht um ständige Selbstdarstellung, sondern um das Gefühl, dass man miterleben darf, was dieser Mensch erfährt. Ein Gespräch mit solchen Persönlichkeiten fühlt sich oft so an, als würde man selbst ein Stück größer werden.
Und schließlich ist da die Leistungsstärke. Cool sind Menschen, die durch ihr Auftreten Wirkung entfalten. Sie beeinflussen andere nicht durch Lautstärke oder Druck, sondern dadurch, dass ihre Art inspiriert. Man denkt nach einem Treffen vielleicht nicht: „Der war beeindruckend“, sondern eher: „Plötzlich habe ich Lust, selbst etwas zu verändern.“
Spannend ist, dass diese Eigenschaften überall auf der Welt ähnlich gesehen werden. Es ist also nicht die Mode einer Generation oder ein kultureller Zufall, sondern ein tief verankertes Muster, das uns alle verbindet. Die Idee von Coolness ist weniger eine Pose als vielmehr ein Ausdruck von innerer Haltung.
Vielleicht steckt darin die eigentliche Botschaft. Denn Coolness ist nicht das Ziel, sondern ein Nebenprodukt. Wer seinen eigenen Weg geht, neugierig bleibt, das Leben genießt, sich öffnet und dabei andere inspiriert, wird ganz von selbst als cool wahrgenommen. Und genau darin liegt ein stiller Trost. Man muss sich nicht verbiegen, um gemocht zu werden. Es reicht, sich ein Stück näher an das heranzuwagen, was man ohnehin schon ist.
