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Es gibt Phasen, in denen die Welt so laut nach Aufmerksamkeit schreit, dass Zuversicht fast wie ein naiver Luxus wirkt. Nachrichten voller Katastrophen oder Krisen und Konflikte lassen leicht den Eindruck entstehen, als sei Hoffnung ein Relikt aus besseren Tagen. Und doch zeigt sich, dass genau dieses scheinbar zerbrechliche Gefühl, die Haltung, dass es sich lohnt nach vorn zu schauen, eine der stärksten Kräfte sein kann, die wir besitzen. Optimismus ist kein Zaubertrick, der Probleme verschwinden lässt, denn er ist vielmehr ein Werkzeug, das den Umgang mit ihnen verändert. Er verleiht uns also nicht unendliche Kraft, aber er lässt uns die vorhandene einfach besser nutzen.

Die Wissenschaft ist sich darin mittlerweile recht einig, dass Menschen mit einer positiven Grundhaltung länger und gesünder leben. Manche Untersuchungen sprechen von einer um Jahre erhöhten Lebenserwartung, andere weisen auf bessere Blutdruckwerte, stabilere Immunreaktionen und sogar eine schnellere Genesung nach Krankheiten hin. Die Ursachen lassen sich nicht auf eine einzige Formel reduzieren. Mal wird im Gehirn nach chemischen Verstärkern geforscht, mal im Verhalten nach gesünderen Routinen. Wahrscheinlich greifen aber beide Ebenen ineinander. Wer glaubt, dass es sich lohnt, auch morgen noch wach zu werden, achtet eher auf Ernährung, Bewegung und Schlaf. Und wer sich bewegt, besser schläft und weniger raucht, fühlt sich letztlich auch leichter zuversichtlich.

In der Praxis spürt man diesen Zusammenhang oft viel deutlicher als in Zahlenkolonnen. Wer schon einmal in einer stressigen Prüfungsphase von einem optimistischen Freund beruhigt wurde, kennt die Wirkung. Allein die Überzeugung, dass man eine schwierige Aufgabe schaffen kann, verändert, wie man sich ihr stellt. Ein Mensch, der glaubt, dass er gesund alt wird, nutzt seine Tage anders, als jemand, der ständig mit dem Schlimmsten rechnet. Optimismus macht nicht blind, er öffnet die Tür zu einer Haltung, die auch das Unangenehme leichter tragbar macht.

Natürlich hat diese Haltung ihre Grenzen. Wer davon ausgeht, dass schon alles gut geht, läuft Gefahr, wichtige Vorsicht zu vernachlässigen. Ein übersteigerter Optimismus kann daher trügerisch sein, weil er dazu verleitet, Risiken kleinzureden, sei es beim Rauchen, bei Geldentscheidungen oder bei gesundheitlichen Vorsorgeuntersuchungen. Deshalb ist nicht die reine Zuversicht der Schlüssel, sondern die Balance zwischen Hoffnung und Realitätssinn. Ein kluger Optimismus nimmt die Risiken wahr, lässt sich aber nicht von ihnen lähmen.

Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen das Gefühl haben, von Problemen überschwemmt zu werden, wirkt Optimismus oftmals wie eine leise Gegenbewegung. Er ist kein Schild, das uns unverwundbar macht, sondern eher ein Kompass, der die Richtung hält, wenn die Sicht verschwimmt. Manchmal reicht ein kleiner Funken Zuversicht, um im Chaos nicht stillzustehen. Das können die Eltern sein, die trotz Alltagssorgen ihr Kind ermutigen, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Oder die ältere Frau, die nach einem Schlaganfall mit Geduld und dem Glauben an Besserung ihre Beweglichkeit zurückgewinnt.

Optimismus ist weniger eine Charaktereigenschaft, die man hat oder nicht hat, als vielmehr eine Haltung, die man üben kann. Manchmal beginnt es mit winzigen Schritten, wie einem bewussten Blick auf das, was schon gelungen ist, anstatt auf das, was fehlt. Wer diese Perspektive kultiviert, verändert damit nicht nur seine eigene innere Welt, sondern wirkt zugleich ansteckend auf andere. Denn Zuversicht breitet sich aus, oft unscheinbar, aber mit nachhaltiger Wirkung.

Wenn wir also darüber nachdenken, wie wir in einer Welt voller Unsicherheiten bestehen können, lohnt sich der Gedanke, dass vielleicht nicht die Stärke der Probleme entscheidend ist, sondern die Art, wie wir ihnen begegnen. Und dann zeigt sich:, dass Optimismus keine rosarote Brille ist, die uns blind macht. Er ist vielmehr eine Linse, die den Blick schärft, um zu sehen, dass zwischen den Brüchen immer auch Linien liegen, die sich neu zusammensetzen lassen.

Von Kamuran Cakir

Aus einem anderen Blickwinkel