Es gibt Fragen, die begleiten manche Menschen ein Leben lang.
„Woher kommst du wirklich?“
„Fühlst du dich mehr deutsch oder mehr aus deinem Herkunftsland?“
Früher war diese Frage schon schwierig genug. Heute passt sie oft gar nicht mehr. Denn immer mehr Menschen tragen nicht nur zwei, sondern drei Länder in sich.
Die Realität in Deutschland hat sich stark verändert. Es gibt Familien, in denen die Mutter aus der Türkei kommt, der Vater aus Afrika und die Kinder in Deutschland aufwachsen. Drei Sprachen am Tisch, drei Kulturen im Alltag, drei Geschichten in einem Leben. Und trotzdem nur ein Mensch.
Wie soll man sich da entscheiden?
Man kann es sich wie in einer Familie vorstellen. Ein Mensch hat eine Mutter und einen Vater. Niemand verlangt, dass man sich für einen der beiden entscheidet. Niemand fragt ernsthaft: „Wen wählst du?“ Beide gehören zu einem. Ohne sie wäre man nicht der Mensch, der man ist. Mal fühlt man sich der Mutter näher, mal dem Vater. Aber am Ende bleibt beides Familie.
Genauso ist es mit den Ländern.
Das Land der Herkunft ist wie eine Wurzel.
Das Land der Eltern ist eine zweite.
Und das Land, in dem man lebt, arbeitet und seine Zukunft aufbaut, wird zur dritten.
Auch wenn man nicht überall geboren wurde oder lang genug gelebt hat, kann jedes dieser Länder ein Teil des eigenen Lebens werden. Man übernimmt Gewohnheiten, Sprachen und auch die Denkweisen. So trägt man auch Erinnerungen aus verschiedenen Richtungen in sich. Darin liegt schließlich kein Widerspruch in sich, sondern es ist längst gelebter Alltag.
Trotzdem kommt immer wieder dieser leise Druck von außen:
„Entscheide dich.“
„Was bist du wirklich?“
Als müsste man sich festlegen wie bei einer Staatsangehörigkeit. Doch ein Mensch ist mehr als ein Pass. Identität entsteht letztlich aus dem Leben selbst, aus Erfahrungen, Begegnungen und dem Weg, den man geht.
Wer mehrere Länder im Herzen trägt, ist nicht geteilt. Er ist erweitert. Er sieht mehr, versteht mehr und verbindet letztlich mehr.
Deshalb müssen wir akzeptieren, dass die Welt sich verändert hat. Dass Herkunft heute nicht mehr nur eine Richtung kennt. Dass viele Menschen nicht zwischen Ländern leben, sondern mit ihnen.
Vielleicht ist das die neue Realität unserer Zeit:
Nicht entweder oder,
sondern alles zusammen.



