Es gibt sie, diese Menschen, die scheinbar gleichzeitig da und nicht da sind. Die, wenn man sich gerade auf sie eingestellt hat, wieder in der Versenkung verschwinden – nur um dann plötzlich mit voller Tatkraft aufzutauchen, wenn man sie längst abgeschrieben hat. Sie sagen zu, ohne wirklich zuzusagen. Sie lehnen ab, ohne wirklich abzusagen. Sie bewegen sich in einer endlosen Schleife aus Ja, Nein und Vielleicht, bei der man nie genau weiß, woran man ist.

Am Anfang macht man noch Pläne mit ihnen. Man verlässt sich darauf, dass sie mitziehen, rechnet zwar sicherheitshalber schon ein paar Prozent Unzuverlässigkeit ein, aber geht zumindest davon aus, dass am Ende irgendetwas Verlässliches übrig bleibt. Doch dann – Funkstille. Plötzlich tauchen Ausreden auf wie Unkraut nach einem Sommerregen. Ach ja, da war doch noch diese andere Sache. Ach, und gestern war ja doch irgendwie stressig. Und überhaupt, vielleicht passt es doch nicht so gut. Alles verschwimmt im Ungefähren.

Also gut, denkt man sich, streichen wir diese Person eben aus der Gleichung. Dann planen wir eben ohne sie. Kein Problem. Doch genau in diesem Moment – bäm! – ist sie wieder da. Plötzlich voll motiviert. Engagiert. Leidenschaftlich sogar. Man könnte fast glauben, dass jetzt wirklich Verlass auf sie ist. Also gut, denkt man sich, geben wir ihr noch eine Chance. Vielleicht war das vorher ja nur ein Missverständnis.

Ein Tag vergeht. Zwei. Und dann – wieder Stille. Die Energie verpufft, das Engagement schmilzt dahin wie eine Kugel Eis in der Sonne. Und da steht man nun. Zurück am Anfang. Wieder mit nichts in der Hand außer einer Ahnung, dass dieser Mensch irgendwie nicht greifbar ist.

Mit solchen Menschen kann man nicht wirklich reden. Zumindest nicht so, dass es zu einem Ergebnis führt. Man kann versuchen, Klarheit zu schaffen, sie zu einem „Ja“ oder „Nein“ zu bewegen, aber es fühlt sich an wie ein Gespräch mit einer Wetterfahne im Sturm. Heute so, morgen so. Man könnte fast glauben, sie wissen selbst nicht, was sie wollen. Und vielleicht ist das ja genau der Punkt.

Warum sind manche Menschen so? Psychologisch betrachtet, kann es viele Gründe geben. Manche haben Angst vor Verbindlichkeit. Sie wollen sich alle Optionen offenhalten, aus Angst, etwas Besseres zu verpassen. Andere meiden Konflikte und sagen lieber halbherzig zu, anstatt gleich ehrlich abzusagen. Und dann gibt es noch jene, die selbst nicht wissen, was sie wollen – die von ihrer eigenen Unentschlossenheit hin- und hergeschleudert werden wie ein Blatt im Wind.

Wie schafft man Klarheit? Es gibt keine Zauberformel, aber ein paar Dinge helfen: Erstens, auf Taten statt auf Worte achten. Wer oft schwankt, wird es auch weiterhin tun. Zweitens, sich nicht selbst austricksen lassen. Manchmal ist es verlockend, auf die plötzliche Begeisterung zu reagieren und wieder Hoffnung zu schöpfen. Doch das Muster wird sich wiederholen. Und drittens: Wer nicht mitzieht, den sollte man auch nicht mehr mitziehen. Energie ist kostbar, und sie sollte nicht in endlose Ja-Nein-Vielleicht-Spiele fließen.

Manchmal hilft es auch, das Ganze mit Humor zu nehmen. Denn am Ende ist es auch eine Art Kunst, sich so gekonnt durch die Welt zu lavieren, dass man immer irgendwie da ist – und gleichzeitig nie wirklich.

Von Kamuran Cakir

Aus einem anderen Blickwinkel

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