Manchmal taucht eine Möglichkeit auf, die sich anfühlt wie eine echte Chance, etwas zu bewegen. Eine ehrenamtliche Aufgabe, die wie gemacht scheint für die eigenen Fähigkeiten, für den Drang, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Mit voller Energie und Idealismus steigt man ein, bringt Ideen mit, ist überzeugt davon, dass sich auch im Kleinen Großes bewirken lässt. Der Glaube an die gute Sache trägt einen, und das Herz brennt für das, was noch möglich sein könnte.
Doch dann tritt man in das bestehende Gefüge ein. Manche Abläufe sind längst festzementiert, gut gemeinte Vorschläge werden mit freundlichem Nicken auf „später“ vertagt. Hier und da stößt man auf Widerstände, nicht weil die Idee schlecht wäre, sondern weil Veränderung unbequem ist. Es gibt diese feinen, unausgesprochenen Regeln, die bestimmen, wie es schon immer lief – und wie es auch weiterhin laufen soll.
Das ist erstmal kein Problem. Schließlich ist man neu, die anderen haben Erfahrung, kennen die Abläufe, wissen, was realistisch ist. Also hält man sich zurück, beobachtet, passt sich an. Aber irgendwann schleicht sich ein leises Unbehagen ein. Denn statt der Dinge, für die man angetreten ist, türmen sich plötzlich Aufgaben auf, die mit dem eigentlichen Ziel nicht viel zu tun haben. Dinge, die liegen geblieben sind und jetzt dringend jemandem aufgedrückt werden müssen.
Und dann wird es absurd. Aus der Begeisterung, gemeinsam etwas Gutes zu tun, wird ein Nebenschauplatz von persönlichen Interessen, eingefahrenen Machtverhältnissen und Eitelkeiten. Plötzlich geht es weniger um die Sache, sondern um Befindlichkeiten, um alte Strukturen, um das bloße Aufrechterhalten des Status quo. Das Engagement, mit dem man gestartet ist, droht zu verpuffen, und die Frage drängt sich auf: Was mache ich hier eigentlich?
Doch bevor Resignation die Oberhand gewinnt, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten. Wie kann es gelingen, motivierte Ehrenamtliche an Bord zu halten, sie nicht in Frustration und Gleichgültigkeit abdriften zu lassen? Wie schafft man es, dass diejenigen, die einst voller Überzeugung dabei waren, zu ihrer ursprünglichen Begeisterung zurückfinden?
Ein erster Schlüssel liegt darin, Raum zu schaffen. Raum für neue Ideen, für frische Impulse, für Veränderung. Und zwar nicht nur in Worten, sondern in tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten. Wenn Ehrenamtliche das Gefühl bekommen, dass ihr Beitrag nur symbolisch willkommen ist, aber in der Praxis nichts bewirkt, wird früher oder später die Luft raus sein.
Dann ist da das unterschätzte, aber essenzielle Element der Wertschätzung. Viele Initiativen sprechen von Teamgeist und Zusammenarbeit, doch in der Realität werden neue Mitglieder oft als reine „Arbeitskräfte“ behandelt. Statt echter Integration gibt es Zuteilungen, statt Mitsprache Aufgabenlisten. Dabei entsteht wahre Motivation aus Zugehörigkeit – aus dem Bewusstsein, dass man nicht nur als Lückenfüller dient, sondern als jemand, dessen Meinung zählt.
Aber auch das Erinnern an den eigenen Antrieb ist entscheidend. Warum hat man angefangen? Was war der eigentliche Beweggrund? In der Flut an internen Machtspielchen und Frustrationen geht diese Frage oft verloren. Manchmal hilft es, sich selbst wieder mit dem Ursprung zu verbinden – sich bewusst zu machen, dass nicht die Strukturen oder die Hindernisse den Kern der Sache ausmachen, sondern das, wofür man einst losgezogen ist.
Und vielleicht braucht es hin und wieder auch den Mut, sich aus festgefahrenen Umfeldern zu lösen. Nicht jedes Ehrenamt ist es wert, bis zum eigenen Energieverlust daran festzuhalten. Wenn es zur Sackgasse wird, wenn Ideen konsequent übergangen werden, wenn sich alles in endlose Meetings und unerfüllte Versprechen auflöst, dann kann es eine kluge Entscheidung sein, sich neue Wege zu suchen. Es gibt genug Orte, an denen Einsatz nicht nur willkommen ist, sondern tatsächlich Wirkung entfalten kann.
Letztendlich bleibt Ehrenamt eine der wertvollsten Säulen unserer Gesellschaft – aber nur, wenn es auch lebt. Wenn es bewegt, inspiriert und den Menschen nicht nur Aufgaben gibt, sondern auch eine Stimme. Denn am Ende zählt nicht, wie lange man irgendwo durchgehalten hat, sondern was man wirklich bewirken konnte.
