Jeder kennt das Klischee des zerstreuten Professors – hochintelligent, aber so sehr mit seinen Gedanken beschäftigt, dass er sein Mittagessen vergisst. Doch was, wenn genau dieses Mittagessen darüber entscheidet, wie scharf unser Verstand bleibt? Und nicht nur das, sondern auch, wie gut sich unser Gehirn vernetzt, Erinnerungen speichert und den Alltag meistert? Wissenschaftler haben genau das untersucht und kommen zu einer spannenden Erkenntnis: Die Qualität unserer Ernährung und die Verteilung unseres Körperfetts in der Lebensmitte können einen entscheidenden Einfluss auf unser Gehirn im höheren Alter haben.

Eine ungesunde Ernährung – oft zu fettig, zu zuckerhaltig, zu verarbeitet – hinterlässt nicht nur Spuren auf der Waage, sondern auch in den Windungen unseres Gehirns. Dort, wo Informationen gespeichert und abgerufen werden, kann sich der Einfluss jahrelanger schlechter Essgewohnheiten zeigen. Nicht auf einen Schlag, nicht mit lautem Alarm, sondern schleichend, fast unbemerkt. Die Vernetzung zwischen den einzelnen Hirnregionen, die für Gedächtnis, Lernen und Orientierung zuständig sind, wird beeinflusst. Und wer in der Mitte seines Lebens einen hohen Taille-Hüfte-Quotienten aufweist – also mehr Bauchfett mit sich trägt –, könnte ebenfalls langfristig Auswirkungen auf die Gehirnstruktur und die kognitiven Fähigkeiten spüren.

Das klingt zunächst abstrakt, wird aber sofort greifbar, wenn man sich alltägliche Situationen vor Augen führt. Vielleicht gibt es diese Momente, in denen ein Name auf der Zunge liegt, aber einfach nicht in den Kopf will. Oder man betritt einen Raum und hat den ursprünglichen Grund des Besuchs längst vergessen. Während solche kleinen Blackouts meist harmlos sind, könnten sie mit der Zeit zunehmen, wenn die Gehirnvernetzungen weniger effizient arbeiten.

Interessanterweise zeigen aktuelle Forschungen, dass eine gesunde Ernährung nicht nur vor Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck schützt, sondern auch die Gehirnstruktur bewahrt. Menschen, die sich über Jahre hinweg ausgewogen ernähren, haben eine bessere funktionale Verbindung zwischen verschiedenen Hirnregionen – etwa zwischen dem Hippocampus, der für das Gedächtnis eine entscheidende Rolle spielt, und anderen Bereichen, die für Wahrnehmung und Bewegung verantwortlich sind. Gleichzeitig scheint eine gesunde Ernährung die sogenannte weiße Substanz im Gehirn zu schützen, also jene „Datenautobahnen“, über die Informationen blitzschnell von einer Region zur anderen gelangen.

Umgekehrt deutet sich an, dass ein hoher Anteil an Bauchfett mit Veränderungen in genau diesen Bereichen zusammenhängen könnte. Die feinen Nervenbahnen, die Informationen transportieren, könnten weniger effizient werden. Das bedeutet nicht, dass ein paar Kilo mehr automatisch das Denkvermögen beeinträchtigen – aber es zeigt, dass es sich lohnt, darauf zu achten, wie sich der Körper über die Jahre verändert.

Doch was genau macht eine gute Ernährung aus? Es ist weniger kompliziert, als es klingt. Frische, unverarbeitete Lebensmittel, viel Gemüse, gesunde Fette aus Nüssen, Olivenöl oder Fisch, ausreichend Proteine und vor allem eine bewusste Auswahl an Lebensmitteln, die dem Körper guttun. Wer sich in der Lebensmitte angewöhnt, nach echten, natürlichen Lebensmitteln zu greifen, investiert nicht nur in seine körperliche, sondern auch in seine geistige Gesundheit.

Das Beste daran: Das Gehirn ist ein unglaublich anpassungsfähiges Organ. Wer heute beginnt, sich besser zu ernähren, kann positive Effekte noch Jahre später spüren. Vielleicht liegt die vergessene Einkaufsliste dann nicht mehr auf dem Küchentisch, sondern fest verankert im Gedächtnis. Und das Beste: Der Kopf bleibt fit – für all die Dinge, die das Leben noch zu bieten hat.

Von Kamuran Cakir

Aus einem anderen Blickwinkel

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